Es geht endlich wieder rund!

Bartholomäusmarkt und Blumenkorso sorgen nach zwei Jahren Pause am letzten Augustwochenende wieder für Trubel in Bad Ems

 

Bad Ems. „Einsteigen, die nächste Fahrt geht rückwärts“ – fast drei Jahre ist es her, dass Lautsprecherdurchsagen wie diese durch Bad Ems hallten. „Gefühlt sind es 20 Jahre“, sagt Willi Willig, Marktmeister des Bartholomäusmarktes. Das traditionelle Volksfest, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1379 reichen, brachte stets am letzten Augustwochenende Trubel in die Kurstadt. Nach zwei Jahren coronabedingter Zwangspause soll es dieses Jahr eine Wiederauflage geben: Von Freitag, 26., bis Montag, 29. August.

Bartholomäusmarkt 2.0., größer, schöner, spektakulärer? „Nein“, sagt Willig entschieden. „Wir machen für den Neustart möglichst wenig Experimente. Ich bin erst mal nur froh, dass wir dieses Jahr wieder einen Markt auf die Beine stellen und feiern können und setze nur auf Partner, denen ich vertraue.“ Der Marktmeister weiß, was eine zweijährige Pause für eine Veranstaltung bedeuten kann. „Ein Jahr ohne kann man vielleicht überbrücken. Zwei Jahre aber sind für viele Veranstaltung das Aus.“ Für „seinen“ Bartholomäusmarkt sieht er aber nicht allzu schwarz. „Ich bekomme viele positive Rückmeldungen. Die Leute in der Stadt, aber auch die Beschicker freuen sich darauf.“

Dabei haben sich die Bedingungen für Kirmes und Markt in der Stadt (die für das rein ehrenamtliche Orga-Team noch nie einfach waren) erschwert: Viele Marktbeschicker, vor allem Händler, haben sich während der Corona-Krise einen anderen Job gesucht. Heißt: „Es gibt einfach nicht mehr so viele“, sagt er. „Und die, die wirtschaftlich überlebt haben, müssen jetzt ganz genau kalkulieren.“ Kein Wunder: Durch den Ukraine-Krieg schießen die Preise für Strom und Lebensmittel nach oben. Ein Stromanbieter hatte im Vorfeld sämtlichen Volksfesten die Verträge gekündigt, die seit den 1980er-Jahren bestehen. Zum Glück habe sich eine Lösung gefunden, aber die Preise für die Anschlüsse seien gestiegen: Eine Karussellfahrt kostet die Betreiber der Fahrgeschäfte jetzt deutlich mehr. Auch Fleischlieferanten erhöhen die Preise für Bratwurst und Co., ganz zu schweigen von den Lieferschwierigkeiten für zum Beispiel für Speiseöl.  „Wenn kein Öl für die Fritteusen zu kriegen oder nicht zu bezahlen ist, dann wird es vielleicht auch mal eine Kirmes ohne Pommes geben.“ Schwer vorzustellen, aber möglich. Ob die Kostensteigerungen an die Marktbesucher weitergegeben werden, bleibt abzuwarten. Willig jedenfalls rechnet damit, dass die Krise an den Preisen auf dem Festgelände spürbar sein wird. „Da ist es gut, dass es in Bad Ems die B-Mark gibt“, wirbt Willig für die eigens für den Bartholomäusmarkt kreierte Währung, mit der man eine Menge sparen könne. Diese wird einen ganzen Monat lang wieder im Vorverkauf angeboten werden und bis zu 15 Prozent Kirmesgel.d-Ersparnis ermöglichen

Auch die hohen Transportkosten durch die explodierten Spritpreise sind ein Problem.  „Für Großfahrgeschäfte wie den King, den Gladiator oder ein Riesenrad muss man mehrere Transporte beladen und losschicken“, erklärt Willi. Bei den Spritpreisen überlege jeder Schausteller drei Mal, welches Fahrgeschäft er wohin bringt. Entsprechend schleppend sei der Vertragsrückfluss. „In normalen Jahren sind wir im November schon durch mit den Planungen, dann kommen im Februar die ersten Änderungen und im Mai, wenn mal alle Feste laufen, die zweite Änderungswelle., wenn die Schausteller alle Spielstätten der Saison kennen und die Routen feststehen.“ Dieses Mal stand der Bartholomäusmarktverein Anfang Mai quasi bei Null. Allein der jahrzehntelangen vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Verein und den Stammbeschickern ist es zu verdanken, dass das Marktgelände (fast) wie gewohnt gefüllt sein wird.

Insgesamt allerdings ist das Festgelände ein Stück kleiner, denn: Auf dem einstigen Thermenparkplatz, wo immer ein spektakuläres Großfahrgeschäft für Publikum sorgte, steht heute das Thermenhotel. Eine Alternative dafür gibt es nicht, sodass über dem Marktgelände verteilt kleinere Attraktionen zu finden sein werden. Willig nimmt’s mit der nötigen Gelassenheit. „Die Anzahl unserer Karussells bleibt gleich. Der Trend geht sowieso in Richtung kleinere Fahrgeschäfte“ – aus den bereits erwähnten Gründen. Beliebte Familienfahrgeschäfte wie die Silbermine oder Klassiker wie Breakdance und Auto-Scooter sind 2022 natürlich dabei und sorgen für Kirmesspaß auf der Wipsch, im Oranienweg, Am Alten Rathaus und der Viktoriaallee.

Neben Markt und Rummel wird auch der Blumenkorso am Bartholomäusmarkt-Sonntag, 28. August,  wieder durch die Stadt rollen. Zwei wesentliche Änderungen: Deutschlands größte rollende Blumenschau zieht zum ersten Mal durchs Welterbe und: Es wird keine Zuschauertribünen in der Römerstraße geben. „Die rechnen sich nur, wenn die zu mehr als 95 Prozent ausgelastet sind“, erklärt Bernd Geppert, der Vorsitzenden des Bartholomäusmartvereins. Das war nie ein Problem, denn der Run auf die beliebten Sitzplätze war immer groß, aber:  „Corona ist ja nicht vorbei, sondern ertsmal nur in den Hintergrund gerückt.“ Zu dem Zeitpunkt, als der Vorstand über die Miete der Tribüne entscheiden musste ( und das ist Monate her ), war ganz einfach noch nicht abzusehen, ob und welche Auflagen gelten würden. Wenn man Gäste mit Corona-Sicherheitsabstand auf Lücke setzen müsse, sei eine Tribüne schlicht nicht zu finanzieren.

Allen Widrigkeiten zum Trotz freut sich das Orga-Team auf Markt und Kirmes, auf den Blumenkorso, auf das gesamte, dicke, letzte Wochenende im August. Allen voran Willi Willig, der eigentlich 2020 sein 25-jähriges Marktmeister-Jubiläum „gefeiert“ hätte. Er sieht im Neustart der Veranstaltung nach zwei Jahren Zwangspause die Chance auf ein echtes Revival. „Ich hab‘ mich noch nie so auf den Markt gefreut wie dieses Mal“, gesteht er. „Und das höre ich auch draußen von ganz vielen Leuten.“

Ticketvorbestellungen für den Korso sind übrigens über das Kontaktformular im „Service“-Bereich dieser Seite unter „Anfrage Tickets“ möglich.

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